Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof kritisiert in einem Gespräch mit der NZZ die Medienberichterstattung in den Fällen „Seebach“ und „Borrweg“ aufs heftigste. Gewohnt eloquent spricht Imhof von „postmodernem Rudeljournalismus“, „neuen Hexenjagden 200 Jahre nach der Aufklärung“ und verkündet, wir seien am „Tiefpunkt einer zivilisierten rechtsstaatlichen Problembewältigung“ angekommen. Nun tönt Alarmismus aus gelehrtem Professorenmund meistens gut; das heisst aber noch lange nicht, dass er wahr ist. In diesem Falle entbehrt er zudem nicht einer gewissen Ironie. Denn erstens ist Imhof selbst Profiteur des manchmal herrschenden journalistischen Rudeldenkens, indem er seine Meinung als „Medienexperte“ meist unwidersprochen auf sämtlichen Kanälen verbreiten darf. Und zweitens ist seine Kritik mindestens so pauschalisierend wie die Berichterstattung, über die er sich aufregt. In diesem Sinne fühle auch ich mich berufen zu verkünden: Die Schweizer Medienforschung ist an einem Tiefpunkt angelangt – und es könnte alles noch viel schlimmer werden.
2 Antworten bis hierher ↓
Anonymous // Dezember 11, 2007 um 10:26 |
Damit, dass er zu jedem Thema etwas ins Mikrofon quatscht, holt sich Kurt Imhof die Aufmerksamkeit der Medien. Und damir, dass er diesen Mainstream-Journalismus dann öffentlich verurteilt, den Goodwill der Politik. Eine klassische Win-win-Situation also…
sarah // Dezember 12, 2007 um 11:34 |
Sehr einverstanden. Mit einigen Einschätzungen liegt Imhof meiner Meinung nach durchaus richtig, auch wenn man sie etwas weniger plakativ formulieren könnte.
Interessanterweise ist ausgerechnet Imhof in akademischen Kreisen jener, der vor populistischen Parolen nicht zurückschreckt und einen einigermassen starken Kult um seine eigene Person pflegt. Wie so oft, wenn Missstände angeprangert werden, wissen die Betreffenden genau, wovon sie reden.