Hundertfünfzig Worte

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Guter Araber, böser Araber

Oktober 26, 2007 · Kommentar schreiben

Ich war gestern an einer Vorpremiere des Hollywood-Films „The Kingdom„, welche die Uni Genf organisiert hat. Der Film erzählt die Geschichte eines FBI-Teams, das nach einem verheerenden Bombenanschlag auf eine amerikanische Siedlung in Riad nach Saudi-Arabien fliegt, um die für das Attentat verantwortlichen Terroristen dingfest zu machen. Nach anfänglichen Problemen mit der saudischen Polizei entwickelt sich nach und nach eine Zusammenarbeit. – Der Film ist, wie nicht anders zu erwarten, handwerklich perfekt gemacht, mit jener von Fernseh-Liveübertragungen und Serien wie „24“ entlehnten Unmittelbarkeits-Ästhetik, die Authentizität vermitteln sollen. Ansonsten kann man den Machern immerhin zugute halten, dass sie versuchen, Elemente der saudi-arabischen Kultur und Gesellschaft wahrheitsgetreu zu vermitteln. Leider geht damit die politische Dimension – sowohl des Terrorismus als auch der amerikanisch-saudischen Beziehungen – völlig verloren. So bleibt am Schluss nur die Einsicht, dass es offensichtlich gute Araber (die mit den Amis die Terroristen jagen, und, natürlich, dafür ihr Leben lassen müssen) und böse Araber (die auch umkommen, aber Palästinensertücher tragen und „Allahu akbar“ rufen, wenn sie von Kugel getroffen werden) gibt.

Kategorien: amerika · film · saudi-arabien · terrorismus

Lasst die Präsidentschaftskandidaten spielen

September 12, 2007 · Kommentar schreiben

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA hat bereits begonnen, und die Kandidaten haben bereits in mehreren Fernseh-Debatten die Klingen gekreuzt, damit die Wähler sich ein Bild von ihren Absichten machen können. Doch das funktioniere nur sehr schlecht, schreibt Alex Tabarrok vom Ökonomie-Blog Marginal Revolution. Die Debatten seien langweilig, die Kandidaten würden schwierigen Fragen ausweichen – und die Zuschauer wüssten nicht, was überhaupt eine gute Antwort ist. Tabarroks Vorschlag: Eine Fernseh-Game-Show, in der die Kandidaten ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem sie etwa einen Ehestreit schlichten oder echte von falschen Beratern unterscheiden müssen. Nicht nur wäre das unterhaltsamer als Wortgefechte, es wäre auch klarer, wer gewonnen hat.

Kategorien: amerika · wahlen · ökonomie

Warum ich den Economist liebe (I)

August 17, 2007 · Kommentar schreiben

Der Economist berichtet vom konservativen amerikanischen Fernsehmoderatoren Bill O’Reilly, der sich über den demokratischen Blog DailyKos aufgeregt hat:

One comment Mr O’Reilly got worked up about was that the pope was “a primate”.

Und fährt dann damit fort, diese Aussage folgendermassen zu kommentieren:

[This] is not so far from the truth, ecclesiastically speaking.

Priceless!

Kategorien: amerika · economist · papst

In Kürze: Junge im Nahen Osten, Hispanics gegen Schwarze und die Geschichte des social networking

August 4, 2007 · Kommentar schreiben

Mideastyouth.com: Das Online-Forum, gegründet von der erst 20-jährigen Esra’a aus Bahrain, vereint junge Stimmen aus dem ganzen Nahen Osten.

Where black and brown collide: Der Economist beschreibt, warum in den USA Hispanics und Schwarze keine Verbündeten, sondern politische Feinde sind.

A History of social networking sites: Danah Boyd hat eine – vorläufige – Geschichte von social networking sites (SNS) verfasst.

Kategorien: amerika · internet · links · naher osten · web 2.0

In Kürze: Junge im Nahen Osten, Hispanics gegen Schwarze und die Geschichte des social networking

August 4, 2007 · Kommentar schreiben

Mideastyouth.com: Das Online-Forum, gegründet von der erst 20-jährigen Esra’a aus Bahrain, vereint junge Stimmen aus dem ganzen Nahen Osten.

Where black and brown collide: Der Economist beschreibt, warum in den USA Hispanics und Schwarze keine Verbündeten, sondern politische Feinde sind.

A History of social networking sites: Danah Boyd hat eine – vorläufige – Geschichte von social networking sites (SNS) verfasst.

Kategorien: amerika · internet · naher osten · web 2.0

Grotesk, lustig – und ziemlich beängstigend

Juli 30, 2007 · Kommentar schreiben

Der amerikanische Journalist Max Blumenthal hat für die Huffington Post einen Kongress der Christians United for Israel besucht – einem Verein erzkonservativer Evangelikaler, die in Washington für mehr Unterstützung für Israel lobbyieren. In Blumenthals kurzem Videobeitrag erklären die Teilnehmer dann auch gerade, womit Israel diese Unterstützung aus, ähem, zweifelhafter Ecke verdient hat: „Die Israelis und wir haben einen gemeinsamen Feind: Die Muslime, hinter denen Satan steht.“ Und: „Der Anti-Christ ist derjenige, der einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern herbeiführt.“ Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

[via]

Kategorien: amerika · christentum · islam · israel

Grotesk, lustig – und ziemlich beängstigend

Juli 30, 2007 · Kommentar schreiben

Der amerikanische Journalist Max Blumenthal hat für die Huffington Post einen Kongress der Christians United for Israel besucht – einem Verein erzkonservativer Evangelikaler, die in Washington für mehr Unterstützung für Israel lobbyieren. In Blumenthals kurzem Videobeitrag erklären die Teilnehmer dann auch gerade, womit Israel diese Unterstützung aus, ähem, zweifelhafter Ecke verdient hat: „Die Israelis und wir haben einen gemeinsamen Feind: Die Muslime, hinter denen Satan steht.“ Und: „Der Anti-Christ ist derjenige, der einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern herbeiführt.“ Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

[via]

Kategorien: amerika · christentum · islam · israel

Verflachte Erinnerungen

Juli 9, 2007 · Kommentar schreiben

Die amerikanische Website Flat Daddies bietet auf Fotos basierende, lebensgrosse Pappfiguren von Familienmitgliedern, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind, an. Sie sind, so die Betreiber der Website, für Kinder gedacht, deren Vater oder Mutter im Militärdienst ist – vor allem aber wohl, um auf Fotos die Illusion einer glücklichen (da vollständigen) Familie aufrecht zu erhalten. Die Website gibt sich betont patriotisch („support our heroes“) und bringt doch die zunehmende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner zum Ausdruck: Nicht mehr der laute Stolz auf die „boys“, welche fernen Ländern zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit verhelfen, steht im Vordergrund. Mit der möglichst realitätsnahen Replikation und Integration der Familienangehörigen wird vielmehr deren Abwesenheit – und damit der Krieg – symbolisch negiert und die sehnlichst herbeigewünschte Normalität zelebriert.

Kategorien: amerika · irak

Verflachte Erinnerungen

Juli 9, 2007 · Kommentar schreiben

Die amerikanische Website Flat Daddies bietet auf Fotos basierende, lebensgrosse Pappfiguren von Familienmitgliedern, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind, an. Sie sind, so die Betreiber der Website, für Kinder gedacht, deren Vater oder Mutter im Militärdienst ist – vor allem aber wohl, um auf Fotos die Illusion einer glücklichen (da vollständigen) Familie aufrecht zu erhalten. Die Website gibt sich betont patriotisch („support our heroes“) und bringt doch die zunehmende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner zum Ausdruck: Nicht mehr der laute Stolz auf die „boys“, welche fernen Ländern zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit verhelfen, steht im Vordergrund. Mit der möglichst realitätsnahen Replikation und Integration der Familienangehörigen wird vielmehr deren Abwesenheit – und damit der Krieg – symbolisch negiert und die sehnlichst herbeigewünschte Normalität zelebriert.

Kategorien: amerika · irak

Wer ist Hillary Clinton?

Juli 1, 2007 · 1 Kommentar

Natürlich weiss jeder, wer Hillary Clinton ist. Aber – so fragen die Medien, wie meistens bei bekannten Personen – wissen wir, wer sie wirklich ist? Die (vermeintliche) Antwort folgt in unzähligen Porträts und (bisher) etwa drei Dutzend Büchern über die ehemalige First Lady, Senatorin und Präsidentschaftskandidatin. Trotz dieser Informationsflut scheint Clinton aber ein Rätsel zu bleiben: „Can we know her?“ überschreibt die New York Review of Books ihre Rezension der zwei neuesten Hillary-Biografien, eine davon verfasst von Reporter-Legende Carl Bernstein. Die Weltwoche, die ebenfalls Bernsteins Buch gelesen hat, betitelt Clinton als „Auster“ und attestiert ihr die „Emotionalität einer Parkuhr“. Diese Unzugänglichkeit, argumentiert der Economist, sei der Grund, weshalb Clinton in den USA von links wie von rechts angefeindet werde wie kein anderer Präsidentschaftskandidat. Trotzdem seien Hillarys Chancen auf die Präsidentschaft immer noch intakt. Und bis dorthin wird wohl noch mancher Journalist versuchen, die „wahre“ Hillary Clinton zu entdecken.

Kategorien: amerika · hillary clinton · politik