Zeitungen machen Fehler. Das ist unvermeidlich, und, wenn sich die Fehler in Grenzen halten, auch nicht weiter schlimm. Allerdings haben gewisse Zeitungsredaktionen ein, ähm, verkrampftes Verhältnis zu Korrigenda – und lassen sie deshalb entweder ganz weg oder entschuldigen sich nur sehr gewunden. Das ist das Glück von Craig Silverman, der auf seinem Blog „Regret the Error“ Fehler und Korrekturmeldungen von Zeitungen beobachtet – und damit so erfolgreich ist, dass er nun ein Buch darüber schreiben konnte. (Als Einstieg: Soeben hat Craig seinen sehr unterhaltsamen Jahresrückblick publiziert.) Denn im Internet-Zeitalter gilt: Wenn die Zeitung den Fehler nicht selber korrigiert, dann tut’s jemand anders. Das sollten sich die Redaktionen zu Herzen nehmen und ihre Fehler aktiv kommunizieren (zum Beispiel so). Doch aus irgendeinem Grund bestehen viele Journalisten auch dann noch auf ihren Informationen, wenn sie erwiesenermassen falsch sind. Und was passiert dann? Richtig: Ein Blogger korrigiert den Fehler. Und das Image der Zeitung leidet. Schade.
Einträge werden als ‘blogs’ kategorisiert
Mache Fehler und sprich darüber
Dezember 19, 2007 · 1 Kommentar
Kategorien: blogs · journalismus · zeitungen
Auf Waljagd
Dezember 19, 2007 · Kommentar schreiben
Jonathan Harris, den man wohl am besten als Internet-Künstler bezeichnet, hat ein neues Projekt auf dem Netz: Es heisst „The Whale Hunt“ und ist eine Fotoreportage über eine traditionelle Waljagd mit den Inuit in Alaska. Harris hat seine siebentägige Expedition mit Fotos dokumentiert, die in einem bestimmten Rhythmus, korrespondierend mit Harris’ Herzschlag, aufgenommen wurden. Je aufgeregter der Fotograf, desto schneller die Bildfolge. – Harris hat in den letzten Jahren immer wieder mit wunderbaren Internet-Projekten aufmerksam gemacht, in denen er die Möglichkeiten des „online storytelling“ auslotet. Eines der besten ist „We feel fine„, das pausenlos die Blogs der Welt durchsucht, um herauszufinden, wie die Menschheit sich gerade fühlt. An der letzten TED-Konferenz hat Harris über seine Arbeit gesprochen – hier ist das Video.
Kategorien: blogs · jonathan harris · kunst · waljagd
Keine Demokratisierung durch die Demokratisierung
November 24, 2007 · 1 Kommentar
Hat das Aufkommen von Blogs, die ja eine Demokratisierung des Zugangs zu Publikationsmöglichkeiten darstellen, einen positiven oder einen negativen Einfluss auf die partizipative Demokratie? Diese Frage stellt Sarah Genner in ihrer (soeben eingereichten) Lizentiatsarbeit. Etwas genauer gesagt: Sie untersucht den Einfluss, den Blogs auf die Berichterstattung klassischer Schweizer Printmedien haben, indem sie die Erwähnung von Blogs in ebendiesen Printmedien über einen Zeitraum von gut sechs Jahren betrachtet. Und kommt zum Ergebnis, dass Blogs zwar immer häufiger zitiert werden (nicht nur, aber auch in politischen Zusammenhängen), dass es sich aber hauptsächlich um Blogs von Personen oder Institutionen handelt, die schon vorher einen hohen Bekanntheitsgrad aufwiesen. Von einer Demokratisierung der Meinungsbildung und einer Verbreiterung des politischen Diskures kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Öffentlichkeit, schreibt Genner, nimmt nicht zu, sondern wird in Blogs allenfalls „durch Nischendiskurse verlängert“.
UPDATE: Etwas ausführlichere Gedanken in meinem Kommentar auf Sarahs Blog.
Schmutziges Wasser finden und effizient Blogs lesen
Oktober 30, 2007 · Kommentar schreiben
Viele Wasserleitungen werden heutzutage mit Sensoren ständig auf Verschmutzung überwacht. Bei komplexen Netzwerken von Leitungen, etwa in einer Grossstadt, stellt sich die Frage, an welchen Orten die Sensoren platziert werden sollen, so dass eine Verunreinigung möglichst schnell entdeckt werden kann, die Anzahl der (teuren) Sensoren aber möglichst klein bleibt. Unter der Annahme von abnehmenden Grenzerträgen (je mehr Sensoren schon platziert sind, desto kleiner ist der Nutzen eines zusätzlichen) haben Forscher der Carnegie-Mellon-Universität einen Algorithmus zur Lösung dieses Problems entwickelt. Der Clou der Sache: Der Algorithmus lässt sich auch zur Analyse der Blogosphäre benutzen. Denn Informationen im Netz „bewegen“ sich wie eine Verunreinigung im Wasser – und die Frage, die sich dann stellt, ist: Welche Blogs sollte man lesen, wenn man ein beschränktes Zeitbudget hat, um möglichst viele Informationen möglichst früh mitzubekommen? Überraschenderweise ist es nicht effizient, die grossen, bekannten Blogs zu lesen, weil das zu viel Zeit benötigt. Hier ist die Liste der 100 Blogs, die man aufgrund der Analyse lesen sollte.
Foto: ImageAfter
Natürlich viel zu spät: Meine Eindrücke vom Blogcamp
Oktober 22, 2007 · 1 Kommentar
Während ernsthafte Blogger das 2. Schweizer Blogcamp vom letzten Samstag gerade livegebloggt hatten, komme ich mit meinem Bericht erst jetzt und damit natürlich viel zu spät. Ich fasse mich dafür kurz: Interessante Präsentationen gehört – zum Mitarbeiter-Blogging bei der Cablecom, den ersten Erfahrungen mit FACTS 2.0, über „Readability Optimization“ und den Einfluss von Blogs auf die politische Berichterstattung in der Schweiz. Und spannende Gespräche mit Chris „the black sheep“ Gopsill, Chris Lüscher, Sarah Genner, Ronnie Grob, Claudio Notz, Mario Ramseier, Fabienne Steiner und vielen weiteren.
Ach, und: Unmittelbar nach dem Blogcamp krank geworden und seither bettlägrig…
Kategorien: blogcamp · blogs · in eigener sache
Alternative Finanzierungsquellen für Journalismus. Wirklich alternative.
Oktober 18, 2007 · Kommentar schreiben
Alle Information wandert aufs Netz, und dort ist es fast unmöglich, Geld dafür zu verlangen. Wie sollen die qualitativ hochstehenden Inhalte also finanziert werden? Mit Werbung? Bringt meistens zu wenig. Wired schreibt über eine wirklich alternative Idee, wie man Online-Journalismus finanzieren kann:
Der Blog Sharesleuth.com nimmt regelmässig kleinere Unternehmen unter die Lupe, deren Aktienpreis überbewertet scheint. Die investigativen Berichte führen dann oft dazu, dass der Aktienkurs rapide sinkt. Die Berichte, an denen Redaktor Chris Carey oft monatelang arbeitet, sind frei verfügbar, und auf der Seite befindet sich keinerlei Werbung. Finanziert wird der Blog von Mark Cuban, der jeweils bevor Carey seine Informationen publiziert auf den sinkenden Aktienkurs des betroffenen Unternehmens spekuliert. Je besser die Berichte, desto grösser vermutlich der Einbruch des Kurses – und desto grösser der Gewinn. Und ich frage mich, ob das nun schlichtweg genial oder ethisch sehr fragwürdig ist. Oder beides.
Kategorien: blogs · journalismus · wirtschaft
BlogCamp am nächsten Samstag
Oktober 17, 2007 · Kommentar schreiben
Am nächsten Samstag findet in Zürich das zweite BlogCamp Switzerland statt. Alle Informationen sind hier zu finden. See you there!
Kategorien: blogcamp · blogs · in eigener sache
Kann man Geschichte bloggen?
Oktober 15, 2007 · 1 Kommentar
Die kurze Antwort: Natürlich kann man – in einem Blog lässt sich über alles schreiben. Trotzdem scheint es nicht viele Blogs zu geben, die sich mit Geschichte beschäftigen (oder ich habe sie einfach noch nicht gefunden). Auf einen bin ich allerdings kürzlich gestossen (via Krusenstern): A Soviet Poster A Day. Darin liefert Alexander Sacharow genau, was er verspricht: Ein Plakat aus der Sowjetunion pro Tag, versehen mit knapp gehaltenen, aber informativen Erläuterungen und historischem Hintergrund. Dadurch entsteht eine leicht zu lesende und ungeheuer spannende Geschichts-Collage. Und genau das soll (und kann) ein Geschichts-Blog wohl liefern.
Kategorien: blogs · geschichte · sowjetunion
Warum ich den Economist liebe (V)
Oktober 12, 2007 · Kommentar schreiben
Kürzlich schrieb ich diesen Post über die neue Online-Debatte des Economist. Und heute morgen erhalte ich ein E-Mail der PR-Agentur des Economist, die mir herzlich dankt:
Thanks so much for following the new Economist Debate Series and encouraging your readers to participate in what is sure to be a lively discussion about global education issues.
Und mir gerade auch verrät, über welches Thema und mit welchen Teilnehmern die erste Debatte stattfinden wird – noch bevor diese Informationen auf der Webseite des Economist sind. Offensichtlich schickt der Economist auch regelmässig seine Artikel an einflussreiche US-Blogger, bevor diese publiziert werden und generiert damit natürlich Diskussionen und viele Seitenzugriffe. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Blogger ob der exklusiven Behandlung geschmeichelt und geehrt fühlen. Geniale Idee! Schweizer Medien, falls ihr nicht zu beschäftigt damit seid, Google Angst einzujagen – macht doch das auch.
"Das Internet ist schlimmer als die Nazis"
Oktober 1, 2007 · Kommentar schreiben
Grosser Aufruhr kürzlich in der (Schweizer) Bloggerszene: Buchautor und „Internet-Profi“ Andrew Keen attackierte im Magazin das Web 2.0 und erklärte, es zerstöre sämtliche Kreativität. Nun, es gäbe viel auf diese lächerliche Pauschalisierung zu erwidern – aber erstens wurde das bereits zu genüge getan (hier eine Replik von Andreas von Gunten, hier Kommentare auf facts.ch), und zweitens gibt es wohl nur einen möglichen Weg, um auf solchen Mist zu reagieren: Humor. Und wer könnte das besser als Stephen Colbert? Viel Spass.
[Video via Indiskretion Ehrensache]
