Hundertfünfzig Worte

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Dramatische Opportunitätskosten

November 20, 2007 · Kommentar schreiben

Jeder Wirtschaftsstudent lernt in der ersten Woche seines Studiums das Konzept der Opportunitätskosten kennen: Bei einer Analyse von Kosten und Nutzen muss auch der entgangene Nutzen einer nicht gewählten Alternative zu den Kosten hinzugezählt werden. Das klassische Lehrbuch-Beispiel stellt die Frage, ob man an einem Tag Arbeiten oder zum Beispiel Skifahren gehen soll. Die Opportunitätskosten der Arbeit wären dann der entgangene Nutzen, also die Freude am Skifahren. In der Washington Post hat Tyler Cowen nun ein etwas dramatischeres Beispiel gewählt und versucht, die Opportunitätskosten des Irak-Krieges zu analysieren. Gerade die Kriegslegitimation des Weissen Hauses habe nun hohe Opportunitätskosten zur Folge, argumentiert Cowen: Weil die USA erklärten, ein verbrecherisches Regime ausschalten und Ordnung herstellen zu wollen, damit aber gescheitert sind, werde es in Zukunft ungleich schwieriger, potentiell gefährliche Regimes unter Druck zu setzen.

[via kottke]

Kategorien: irak · usa · ökonomie

Verflachte Erinnerungen

Juli 9, 2007 · Kommentar schreiben

Die amerikanische Website Flat Daddies bietet auf Fotos basierende, lebensgrosse Pappfiguren von Familienmitgliedern, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind, an. Sie sind, so die Betreiber der Website, für Kinder gedacht, deren Vater oder Mutter im Militärdienst ist – vor allem aber wohl, um auf Fotos die Illusion einer glücklichen (da vollständigen) Familie aufrecht zu erhalten. Die Website gibt sich betont patriotisch („support our heroes“) und bringt doch die zunehmende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner zum Ausdruck: Nicht mehr der laute Stolz auf die „boys“, welche fernen Ländern zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit verhelfen, steht im Vordergrund. Mit der möglichst realitätsnahen Replikation und Integration der Familienangehörigen wird vielmehr deren Abwesenheit – und damit der Krieg – symbolisch negiert und die sehnlichst herbeigewünschte Normalität zelebriert.

Kategorien: amerika · irak

Verflachte Erinnerungen

Juli 9, 2007 · Kommentar schreiben

Die amerikanische Website Flat Daddies bietet auf Fotos basierende, lebensgrosse Pappfiguren von Familienmitgliedern, die im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind, an. Sie sind, so die Betreiber der Website, für Kinder gedacht, deren Vater oder Mutter im Militärdienst ist – vor allem aber wohl, um auf Fotos die Illusion einer glücklichen (da vollständigen) Familie aufrecht zu erhalten. Die Website gibt sich betont patriotisch („support our heroes“) und bringt doch die zunehmende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner zum Ausdruck: Nicht mehr der laute Stolz auf die „boys“, welche fernen Ländern zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit verhelfen, steht im Vordergrund. Mit der möglichst realitätsnahen Replikation und Integration der Familienangehörigen wird vielmehr deren Abwesenheit – und damit der Krieg – symbolisch negiert und die sehnlichst herbeigewünschte Normalität zelebriert.

Kategorien: amerika · irak

Gegen den Anachronismus der Islamisten

Juli 5, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen Ausgabe der NZZ ruft Hassan Butt, ein ehemals radikaler britischer Islamist, zu einem Ende des Terrors im Namen des Islams auf. (Der Originaltext erschien letzten Sonntag im britischen „Observer“.) Der Text ist bemerkenswert, weil Butt erklärt, nicht der Zorn über den Irak-Krieg oder der Frust über ihre soziale Stellung im Westen sei der hauptsächliche Handlungsantrieb der islamischen Extremisten, sondern ihre Auffassung der ganzen Welt als Dar al-Harb („Haus des Krieges“), in dem es gemäss islamischer Rechtstradition erlaubt ist, mit allen Mitteln gegen Ungläubige zu Kämpfen. Um diese Ideologie zu bekämpfen, so Butt, sei es wenig hilfreich, wenn man, wie es die meisten islamischen Organisationen tun, die Existenz von Gewaltaufrufen im Islam schlicht negiere. Muslime und Nichtmuslime müssten „offen über die Ideen reden, die den Terror alimentieren“, und erstere müssten sich selbt die Existenz extremistischer Strömungen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft eingestehen. Dies könnte den Weg für eine neue Lesart dieser Ideen öffnen, „und wir werden entdecken, dass das Konzept des Tötens im Namen des Islam nur mehr ein Anachronismus ist“.

UPDATE: Das Wall Street Journal berichtet von den Studien des Ökonomen Alan Krueger. Krueger kommt zum Schluss, dass nicht Armut, sondern die Verweigerung von bürgerlichen Rechten Menschen in den Terrorismus treibt. [via]

Kategorien: grossbritannien · irak · islam

Gegen den Anachronismus der Islamisten

Juli 5, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen Ausgabe der NZZ ruft Hassan Butt, ein ehemals radikaler britischer Islamist, zu einem Ende des Terrors im Namen des Islams auf. (Der Originaltext erschien letzten Sonntag im britischen „Observer“.) Der Text ist bemerkenswert, weil Butt erklärt, nicht der Zorn über den Irak-Krieg oder der Frust über ihre soziale Stellung im Westen sei der hauptsächliche Handlungsantrieb der islamischen Extremisten, sondern ihre Auffassung der ganzen Welt als Dar al-Harb („Haus des Krieges“), in dem es gemäss islamischer Rechtstradition erlaubt ist, mit allen Mitteln gegen Ungläubige zu Kämpfen. Um diese Ideologie zu bekämpfen, so Butt, sei es wenig hilfreich, wenn man, wie es die meisten islamischen Organisationen tun, die Existenz von Gewaltaufrufen im Islam schlicht negiere. Muslime und Nichtmuslime müssten „offen über die Ideen reden, die den Terror alimentieren“, und erstere müssten sich selbt die Existenz extremistischer Strömungen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft eingestehen. Dies könnte den Weg für eine neue Lesart dieser Ideen öffnen, „und wir werden entdecken, dass das Konzept des Tötens im Namen des Islam nur mehr ein Anachronismus ist“.

UPDATE: Das Wall Street Journal berichtet von den Studien des Ökonomen Alan Krueger. Krueger kommt zum Schluss, dass nicht Armut, sondern die Verweigerung von bürgerlichen Rechten Menschen in den Terrorismus treibt. [via]

Kategorien: grossbritannien · irak · islam

Peshmergas in Bagdad?

Januar 18, 2007 · Kommentar schreiben

Nadim al-Jabiri, Politologie-Professor an der Universität in Bagdad und Mitglied der schiitischen Al-Fadhila-Partei, äussert sich in Raed Jarrars Blog kritisch über die Pläne des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, die Anzahl amerikanischer und irakischer Truppen in Bagdad drastisch zu erhöhen.

Al-Jabiris Beteuerung, die irakischen Parteien würden eine politische Lösung für den Konflikt finden, kann zwar bezweifelt werden. Ernst nehmen sollte man aber wohl seine Bedenken, dass die Präsenz von kurdischen Peshmerga-Kämpfern in Bagdad die sektiererische Gewalt im Irak noch zusätzlich anheizen würde.

UPDATE: Auch die kurdischen Truppen ihrerseits haben offensichtlich wenig Lust, sich in Bagdad zu engagieren, schreibt Astrid Frefel im heutigen (19.01.07) Tages-Anzeiger (Artikel online nicht zugänglich).

Kategorien: international · irak

Peshmergas in Bagdad?

Januar 18, 2007 · Kommentar schreiben

Nadim al-Jabiri, Politologie-Professor an der Universität in Bagdad und Mitglied der schiitischen Al-Fadhila-Partei, äussert sich in Raed Jarrars Blog kritisch über die Pläne des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, die Anzahl amerikanischer und irakischer Truppen in Bagdad drastisch zu erhöhen.

Al-Jabiris Beteuerung, die irakischen Parteien würden eine politische Lösung für den Konflikt finden, kann zwar bezweifelt werden. Ernst nehmen sollte man aber wohl seine Bedenken, dass die Präsenz von kurdischen Peshmerga-Kämpfern in Bagdad die sektiererische Gewalt im Irak noch zusätzlich anheizen würde.

UPDATE: Auch die kurdischen Truppen ihrerseits haben offensichtlich wenig Lust, sich in Bagdad zu engagieren, schreibt Astrid Frefel im heutigen (19.01.07) Tages-Anzeiger (Artikel online nicht zugänglich).

Kategorien: international · irak

Was die Iraker nicht wussten

Januar 17, 2007 · Kommentar schreiben

In einem doch eher makabren Artikel beschreibt Daniel Engber in Slate, wie dass man Menschen ordentlich erhängt – damit nicht, wie im Irak beim Vollzug der Todesstrafe gegen Saddams Halbbruder Barzan al-Tikriti, der Kopf vom Rumpf abgetrennt wird.

Der Trick dabei ist offensichtlich, die für das Körpergewicht des zu Erhängenden richtige Stricklänge zu finden. Ist der Strick zu lang, dann gewinnt der Körper beim Fall durch die Falltür zu viel Geschwindigkeit, was, wie die Iraker demonstriert haben, dazu führt, dass der Todeskandidat geköpft wird. Ist der Strick jedoch zu kurz, dann bleibt er bei Bewusstsein und stirbt einen qualvollen Erstickungstod.

UPDATE: Auch bei den Nürnberg-Prozessen lief mit dem Hängen nicht alles so glatt, wie es sollte, schreibt die New York Times.

Kategorien: international · irak

Was die Iraker nicht wussten

Januar 16, 2007 · Kommentar schreiben

In einem doch eher makabren Artikel beschreibt Daniel Engber in Slate, wie dass man Menschen ordentlich erhängt – damit nicht, wie im Irak beim Vollzug der Todesstrafe gegen Saddams Halbbruder Barzan al-Tikriti, der Kopf vom Rumpf abgetrennt wird.

Der Trick dabei ist offensichtlich, die für das Körpergewicht des zu Erhängenden richtige Stricklänge zu finden. Ist der Strick zu lang, dann gewinnt der Körper beim Fall durch die Falltür zu viel Geschwindigkeit, was, wie die Iraker demonstriert haben, dazu führt, dass der Todeskandidat geköpft wird. Ist der Strick jedoch zu kurz, dann bleibt er bei Bewusstsein und stirbt einen qualvollen Erstickungstod.

UPDATE: Auch bei den Nürnberg-Prozessen lief mit dem Hängen nicht alles so glatt, wie es sollte, schreibt die New York Times.

Kategorien: international · irak