Hundertfünfzig Worte

Einträge werden als ‘islam’ kategorisiert

Sündiger Risotto

August 28, 2007 · Kommentar schreiben

Eine nette Geschichte aus dem Tages-Anzeiger: Ein Teller Risotto verursacht in der Türkei gerade eine politische Krise. Das Reisgericht wurde dem Innenminister Osman Günes von einem Provinzgouverneur vorgesetzt. Günes, ein frommer Muslim der Regierungspartei AKP, fand den Risotto schmackhaft und fragte nach den Zutaten. Als er erfuhr, dass der Risotto mit Wein gekocht worden war, bezeichnete er das Gericht empört als „unrein“ und stürmte aus dem Restaurant. Der Gouverneur war einige Tage später seinen Job los. Den in den Parlamentswahlen unterlegenen Säkularisten dient die Episode als Beweis dafür, dass es in der AKP – die ab heute mit Abdullah Gül wohl auch den türkischen Präsidenten stellen wird – von religiösen Fanatikern nur so wimmelt. Die Suppe, ‘tschuldigung, der Risotto, wird dann aber wohl nur halb so heiss gegessen: Mehrere Geistliche haben den Risotto-Verzehr für unbedenklich erklärt und Günes muss sich vorhalten lassen, er habe überreagiert. Und so lange eine türkische Zeitung die Schlagzeile „Risotto verspeist Gouverneur“ setzen kann, steht es um das politische Klima im Land wohl noch nicht so schlecht.

Kategorien: essen · islam · türkei

Grotesk, lustig – und ziemlich beängstigend

Juli 30, 2007 · Kommentar schreiben

Der amerikanische Journalist Max Blumenthal hat für die Huffington Post einen Kongress der Christians United for Israel besucht – einem Verein erzkonservativer Evangelikaler, die in Washington für mehr Unterstützung für Israel lobbyieren. In Blumenthals kurzem Videobeitrag erklären die Teilnehmer dann auch gerade, womit Israel diese Unterstützung aus, ähem, zweifelhafter Ecke verdient hat: „Die Israelis und wir haben einen gemeinsamen Feind: Die Muslime, hinter denen Satan steht.“ Und: „Der Anti-Christ ist derjenige, der einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern herbeiführt.“ Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

[via]

Kategorien: amerika · christentum · islam · israel

Grotesk, lustig – und ziemlich beängstigend

Juli 30, 2007 · Kommentar schreiben

Der amerikanische Journalist Max Blumenthal hat für die Huffington Post einen Kongress der Christians United for Israel besucht – einem Verein erzkonservativer Evangelikaler, die in Washington für mehr Unterstützung für Israel lobbyieren. In Blumenthals kurzem Videobeitrag erklären die Teilnehmer dann auch gerade, womit Israel diese Unterstützung aus, ähem, zweifelhafter Ecke verdient hat: „Die Israelis und wir haben einen gemeinsamen Feind: Die Muslime, hinter denen Satan steht.“ Und: „Der Anti-Christ ist derjenige, der einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern herbeiführt.“ Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

[via]

Kategorien: amerika · christentum · islam · israel

Gegen den Anachronismus der Islamisten

Juli 5, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen Ausgabe der NZZ ruft Hassan Butt, ein ehemals radikaler britischer Islamist, zu einem Ende des Terrors im Namen des Islams auf. (Der Originaltext erschien letzten Sonntag im britischen „Observer“.) Der Text ist bemerkenswert, weil Butt erklärt, nicht der Zorn über den Irak-Krieg oder der Frust über ihre soziale Stellung im Westen sei der hauptsächliche Handlungsantrieb der islamischen Extremisten, sondern ihre Auffassung der ganzen Welt als Dar al-Harb („Haus des Krieges“), in dem es gemäss islamischer Rechtstradition erlaubt ist, mit allen Mitteln gegen Ungläubige zu Kämpfen. Um diese Ideologie zu bekämpfen, so Butt, sei es wenig hilfreich, wenn man, wie es die meisten islamischen Organisationen tun, die Existenz von Gewaltaufrufen im Islam schlicht negiere. Muslime und Nichtmuslime müssten „offen über die Ideen reden, die den Terror alimentieren“, und erstere müssten sich selbt die Existenz extremistischer Strömungen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft eingestehen. Dies könnte den Weg für eine neue Lesart dieser Ideen öffnen, „und wir werden entdecken, dass das Konzept des Tötens im Namen des Islam nur mehr ein Anachronismus ist“.

UPDATE: Das Wall Street Journal berichtet von den Studien des Ökonomen Alan Krueger. Krueger kommt zum Schluss, dass nicht Armut, sondern die Verweigerung von bürgerlichen Rechten Menschen in den Terrorismus treibt. [via]

Kategorien: grossbritannien · irak · islam

Gegen den Anachronismus der Islamisten

Juli 5, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen Ausgabe der NZZ ruft Hassan Butt, ein ehemals radikaler britischer Islamist, zu einem Ende des Terrors im Namen des Islams auf. (Der Originaltext erschien letzten Sonntag im britischen „Observer“.) Der Text ist bemerkenswert, weil Butt erklärt, nicht der Zorn über den Irak-Krieg oder der Frust über ihre soziale Stellung im Westen sei der hauptsächliche Handlungsantrieb der islamischen Extremisten, sondern ihre Auffassung der ganzen Welt als Dar al-Harb („Haus des Krieges“), in dem es gemäss islamischer Rechtstradition erlaubt ist, mit allen Mitteln gegen Ungläubige zu Kämpfen. Um diese Ideologie zu bekämpfen, so Butt, sei es wenig hilfreich, wenn man, wie es die meisten islamischen Organisationen tun, die Existenz von Gewaltaufrufen im Islam schlicht negiere. Muslime und Nichtmuslime müssten „offen über die Ideen reden, die den Terror alimentieren“, und erstere müssten sich selbt die Existenz extremistischer Strömungen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft eingestehen. Dies könnte den Weg für eine neue Lesart dieser Ideen öffnen, „und wir werden entdecken, dass das Konzept des Tötens im Namen des Islam nur mehr ein Anachronismus ist“.

UPDATE: Das Wall Street Journal berichtet von den Studien des Ökonomen Alan Krueger. Krueger kommt zum Schluss, dass nicht Armut, sondern die Verweigerung von bürgerlichen Rechten Menschen in den Terrorismus treibt. [via]

Kategorien: grossbritannien · irak · islam

Die doppelt gebrochene islamische Welt

Januar 28, 2007 · Kommentar schreiben

Als Reaktion auf die imperialen Eroberung europäischer Mächte im 19. Jahrhundert entwickelten arabische Denker das Konzept, die über tausendjährige Herrschaft der Osmanen sei despotisch gewesen und habe zum Niedergang der arabischen Zivilisation geführt. Mit diesem Bruch, schreibt François Zabbal in der NZZ, wurden die ersten Jahrhunderte nach der Zeit des Propheten zum „goldenen Zeitalter“ umgedeutet. Zabbal weist darauf hin, dass es bereits im 16. Jahrhundert zu einem Bruch zwischen den sunnitischen Osmanen und den schiitischen Safawiden gekommen ist. Damit ist in der arabischen Welt ein „doppelter Bruch“ mit der türkischen und der persischen Kultur festzustellen,

„ein Bruch, der einer Amputation des arabischen Gedächtnisses gleichkommt und der die weitgehende Unfähigkeit zur Folge hat, die Vergangenheit in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen und fruchtbar zu machen.“

Kategorien: international · islam

Die doppelt gebrochene islamische Welt

Januar 28, 2007 · Kommentar schreiben

Als Reaktion auf die imperialen Eroberung europäischer Mächte im 19. Jahrhundert entwickelten arabische Denker das Konzept, die über tausendjährige Herrschaft der Osmanen sei despotisch gewesen und habe zum Niedergang der arabischen Zivilisation geführt. Mit diesem Bruch, schreibt François Zabbal in der NZZ, wurden die ersten Jahrhunderte nach der Zeit des Propheten zum „goldenen Zeitalter“ umgedeutet. Zabbal weist darauf hin, dass es bereits im 16. Jahrhundert zu einem Bruch zwischen den sunnitischen Osmanen und den schiitischen Safawiden gekommen ist. Damit ist in der arabischen Welt ein „doppelter Bruch“ mit der türkischen und der persischen Kultur festzustellen,

„ein Bruch, der einer Amputation des arabischen Gedächtnisses gleichkommt und der die weitgehende Unfähigkeit zur Folge hat, die Vergangenheit in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen und fruchtbar zu machen.“

Kategorien: international · islam

Russlands schwieriges Verhältnis zum Islam

Januar 21, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen NZZ spürt Ulrich M. Schmid Russlands komplexen Verhältnis zum Islam nach. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts verklärten russische Literaten den Orient und seine Religion zum „Hort ursprünglicher Exotik“. Die kommunistische Herrschaft hatte dann aber wenig für den Islam – wie auch für die anderen Religionen – übrig. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich das Verhältnis aber nicht entspannt, im Gegenteil: Der Tschetschenien-Konflikt und die damit geschürte Angst vor Terror sowie Überfremdungsängste sorgen dafür, dass Islamophoben, welche eine „Zersetzung der russischen Seele“ durch den Islam befürchten, Hochkonjunktur haben.

Kategorien: international · islam · russland

Russlands schwieriges Verhältnis zum Islam

Januar 21, 2007 · Kommentar schreiben

In der heutigen NZZ spürt Ulrich M. Schmid Russlands komplexen Verhältnis zum Islam nach. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts verklärten russische Literaten den Orient und seine Religion zum „Hort ursprünglicher Exotik“. Die kommunistische Herrschaft hatte dann aber wenig für den Islam – wie auch für die anderen Religionen – übrig. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich das Verhältnis aber nicht entspannt, im Gegenteil: Der Tschetschenien-Konflikt und die damit geschürte Angst vor Terror sowie Überfremdungsängste sorgen dafür, dass Islamophoben, welche eine „Zersetzung der russischen Seele“ durch den Islam befürchten, Hochkonjunktur haben.

Kategorien: international · islam · russland