Hundertfünfzig Worte

Einträge werden als ‘web 2.0’ kategorisiert

Nie wieder die Milch vergessen

November 19, 2007 · 3 Kommentare


Ich habe lange nach einem Programm gesucht, um meine Tasks zu verwalten. Ich habe vieles ausprobiert und die perfekte Lösung immer noch nicht gefunden. Aber immerhin eine, die verdammt nahe kommt. Der Service heisst Remember The Milk, ist webbasiert und komplett kostenlos. Die hundertfünfzig Worte hier reichen nicht aus, um alle Funktionen zu beschreiben – deshalb seien hier nur einige der wichtigsten Vorteile erwähnt. Erstens und wichtigstens: RTM ist sehr einfach und schnell zu bedienen. Simple Benutzeroberfläche, viele Befehle lassen sich via Tastatur ausführen. Zweitens: Den Tasks lassen sich Tags, Schlagworte, zuweisen, was eine sehr flexible Organisation erlaubt. Drittens: RTM lässt sich in eine lange Reihe von anderen Services integrieren, zum Beispiel Google Calendar oder Twitter. Der einzige Nachteil, den ich bisher gefunden habe: Für die Task-Verwaltung innerhalb eines Teams eignet sich der Service nicht. Ansonsten kann ich RTM vorbehaltlos empfehlen – vorausgesetzt natürlich, man verbringt den Grossteil seines Tages vor einem Computer mit Internet-Anschluss.

Kategorien: task-verwaltung · web 2.0

Blumenkranz 2.0: Mahalo, Tafiti, Hulu und Makamaka

Oktober 29, 2007 · Kommentar schreiben


Was braucht man als Internet-Jungunternehmer heutzutage, abgesehen von einem tollen Business-Modell und etwas Venture Capital? Einen einprägsamen Namen für das neue Produkt, und zwar mit Vorteil einen, der auch als Internet-Adresse noch erhältlich ist. Dieser Umstand hat zu einer ganzen Reihe von Firmen geführt, die ihre Namen bewusst grammatikalisch falsch buchstabieren – Flickr, Nooz, Favoor, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber auch dieses Konzept war bald einmal erschöpft, ganz zu schweigen davon, dass die Namen durch die Falschschreibung einen technoiden Touch bekamen. Mehrheitsfähigere Namen für all die Web 2.0-Seiten mussten also her, und fündig wurde (und wird) man nun in exotischen Fremdsprachen, zum Beispiel in Hawaiisch. Eine von den Benutzern verwaltete Suchmaschine nennt sich Mahalo („Danke“), und der Deckname für Googles Social Networking-Offensive ist Makamaka („Mein Freund“). Microsofts neue Suchseite nennt sich weltläufig Tafiti, was auf Suaheli angeblich „recherchieren“ bedeutet. Und die soeben lancierte Video-Webseite von NBC heisst Hulu. Das soll hauptsächlich lustig tönen – bedeutet dummerweise aber auch noch „Arsch“ auf Indonesisch.

Foto: earl53

Kategorien: firmennamen · web 2.0

"Das Internet ist schlimmer als die Nazis"

Oktober 1, 2007 · Kommentar schreiben

Grosser Aufruhr kürzlich in der (Schweizer) Bloggerszene: Buchautor und „Internet-Profi“ Andrew Keen attackierte im Magazin das Web 2.0 und erklärte, es zerstöre sämtliche Kreativität. Nun, es gäbe viel auf diese lächerliche Pauschalisierung zu erwidern – aber erstens wurde das bereits zu genüge getan (hier eine Replik von Andreas von Gunten, hier Kommentare auf facts.ch), und zweitens gibt es wohl nur einen möglichen Weg, um auf solchen Mist zu reagieren: Humor. Und wer könnte das besser als Stephen Colbert? Viel Spass.

[Video via Indiskretion Ehrensache]

Kategorien: blogs · video · web 2.0

Und ihr dachtet, ich sei bereits "verwebzweinullisiert"

September 11, 2007 · Kommentar schreiben

Weit gefehlt. Mein Drang, möglichst grosse Teile meines Lebens auf dem Internet zugänglich zu machen (wegen dem ich hier schon, ähh, gelobt wurde) ist ungebrochen. Und, oh Freude, all die digitalen Spuren, die ich hinterlasse, sind nun schön an einem Ort zusammengefasst: In meinem Lifestream (Die Idee dazu kommt von Steve Rubel). Der Lifestream zeigt kontinuierlich nicht nur die Einträge aus diesem Blog an, sondern auch Kommentare, die ich auf anderen Blogs hinterlasse; meine Bookmarks; meine Fotos; lesenswerte Beiträge aus meinem Google RSS Reader; und meine Facebook Status Updates (wo meistens drinsteht, was ich gerade mache). Hier gehts zu meinem Lifestream. Feedback zu dieser Form des digitalen Exhibitionismus natürlich herzlich willkommen.

Kategorien: in eigener sache · lifestream · web 2.0

Die Wiedergeburt von FACTS

September 8, 2007 · Kommentar schreiben

FACTS ist wieder da. Nicht mehr als defizitäres Hochglanz-News-Heftli, sondern als Web 2.0-Plattform in frugalem Design. Das neue FACTS soll ein „Netzwerk für News-Produzenten und News-Aficionados“ sein, schreiben die Verantwortlichen, irgendwie eine Mischung aus News-Aggregator à la Digg und Social Network. Die Idee scheint mir zwar gut zu sein (aber nicht neu) – im Moment hat das neue FACTS aber noch einen seeeehr bescheidenen Funktionsumfang mit seeehr beschränktem Nutzen. Die Entwickler versprechen dazu baldige Verbesserungen, inklusive eines bisher geheimen „wirklich, wirklich coolen innovativen Features“. Mit einem abschliessenden Urteil über die „erste richtige Web 2.0-Seite eines Schweizer Medienhauses“ (Eigenwerbung) wird man also noch etwas zuwarten müssen. Was sich jetzt schon sagen lässt: Vielleicht wäre es schlauer gewesen, noch ein wenig länger im stillen Kämmerchen am Produkt rumzubasteln.

NACHTRAG: Auch mein Blog ist nun ein „Channel“ auf Facts.

Kategorien: facts · medien · nachrichten · news · social networks · web 2.0

Neu zusammen gesetzte News

September 7, 2007 · Kommentar schreiben

Eine der grössten amerikanischen Tageszeitungen, USA Today, bietet seit kurzem ihren Lesern auf ihrer Homepage verschiedene Widgets zum Download an – kleine Code-Schnipsel, die man auf seiner eigenen Homepage integrieren kann und die dann aktuelle News von USA Today anzeigen. Eine sehr clevere Idee (und eine sehr simple dazu – unverständlich, warum nicht mehr Zeitungen das machen). Mit den Widgets eröffnet sich ein zusätzlicher Kanal, um Inhalte zu verbreiten und mehr Klicks auf die eigene Homepage zu generieren. Wenn die Zeitungen die Widgets selber herstellen, können sie sie zudem in ihrem eigenen Layout halten – und jedes Mal, wenn jemand das Widget auf seiner Homepage platziert, ist das Gratis-Werbung für die Zeitung. Und schliesslich liessen sich auch in den Widgets selber Werbeplätze verkaufen. Um auf dem Web erfolgreich zu sein, müssen die Zeitungen alle möglichen Kanäle zur Verbreitung ihrer Inhalte nutzen und ihren Lesern die Möglichkeit geben, die Inhalte selbst neu zusammen zu setzen und anderswo zu integrieren. Ich warte auf News-Widgets von der New York Times, der FAZ und der NZZ!

Kategorien: medien · usa today · web 2.0 · werbung · widgets · zeitungen

Das Online-Müesli

August 31, 2007 · Kommentar schreiben

Im ersten Moment mag die Idee ja absurd klingen: Das deutsche Internet-Startup MyMuesli.com lässt einen im Netz aus verschiedenen Zutaten sein eigenes Müesli mischen und bestellen – 566 Billionen Kombinationen sollen so möglich sein. Aber die Müeslimacher sind anscheinend sehr erfolgreich mit ihrer Idee. Was wohl daran liegt, dass sie gleich mehrere Trends geschickt ausnutzen: Individualismus – jeder will sein eigenes Müesli zusammenstellen und nicht ein „vorgemischtes“ kaufen. Gleichzeitig lässt sich der eigene Mix dann den Freunden weiterempfehlen – es entsteht ein social network für Müesli. Die Müeslimacher setzen zudem konsequent auf Bioprodukte und schaffen mit ihrem kleinen Team eine Art von Transparenz und accountability (sorry, dafür gibt es einfach keine vernünftige Übersetzung ins Deutsche), die ein Grossverteiler nicht herstellen kann. Mehr noch: Als Internet-Firma hat MyMuesli ein viel grösseres Zielpublikum als, sagen wir, der Reformladen um die Ecke, der vielleicht ähnliche Produkte anbietet. Verbunden mit tieferen Kosten (keine Ladenmiete) kann MyMuesli es sich leisten, auch schwach nachgefragte Zutaten zu führen und damit die Auswahl zu vergrössern – ein klassischer Fall von „Long Tail„-Aggregation.

Kategorien: deutschland · essen · long tail · müesli · social networks · startup · web 2.0

Soll man den Lesern alles geben, was sie wollen?

August 28, 2007 · Kommentar schreiben

Als der Freakonomics-Blog, ein bekannter Wirtschaftsblog, vor einigen Wochen „zügelte“ und Teil der Blog-Abteilung der New York Times wurde, war die Empörung unter den Lesern riesig. Nicht etwa, weil sie etwas gegen die Times an sich hätten. Bei der Diskussion ging es um den RSS-Feed des Blogs. Mit einem RSS-Feed, den praktisch alle Blogs und Nachrichtenseiten anbieten, lässt sich der Inhalt einer Website in einem separaten Programm, einem RSS-Reader, lesen – ohne dass man die Ursprungs-Website besucht. (Mehr Erklärungen zur Funktion von RSS in diesem Video.) Aus Sorge um dadurch sinkende Besucherzahlen und Werbeeinnahmen bieten die meisten Websites von Zeitungen, auch die New York Times, nur einen unvollständigen Feed mit einem kurzen Einleitungstext an. Wer den ganzen Artikel lesen will, muss sich auf die Website durchklicken. Dass der Freakonomics-Blog mit dem Wechsel zur NYT von einem vollständigen auf einen unvollständigen Feed gewechselt hat, ist bei den Lesern auf Unverständnis gestossen und hat eine breitere Diskussion ausgelöst. Mike Masnick von Techdirt argumentiert, dass ein vollständiger Feed zu mehr Besuchen auf der Seite führt – weil die Leser die Inhalte mit einem vollständigen Feed eher lesen und verlinken und damit andere Besucher auf die Seite locken. Ob er recht hat, bleibt vorerst unklar – meines Wissens hatte noch keine Zeitungs-Website den Mut, einen vollständigen Feed einzuführen.

Kategorien: blogs · medien · rss feed · web 2.0 · zeitungen

"Freunde" und Freunde

August 24, 2007 · Kommentar schreiben

‘Willst Du mein Freund sein?’ – kaum ein Satz hat in den letzten Jahren eine so vollständige Bedeutungs-Deflation erlebt wie dieser“, schrieb Spiegel Online kürzlich. Auf Social-Networking-Seiten wie Facebook (siehe unten) haben wir nicht nur Dutzende von entfernten Bekannten als „Freunde“ aufgeführt – sie sind auch nicht von den echten Freunden zu unterscheiden. Im virtuellen Raum wird unser ganzes soziales Netzwerk auf eine binäre Unterscheidung eingedampft: Es gibt Freunde und Nicht-Freunde. Die unzähligen feinen Unterschiede verschwinden, und damit auch die Möglichkeit, mit verschiedenen Personen aus dem sozialen Netzwerk verschieden zu interagieren. Was ich auf Facebook mache, sehen eben nicht nur meine Freunde, sondern auch meine „Freunde“. Was die Social-Networking-Seiten dringend brauchen, findet auch Scott Karp, ist eine Möglichkeit, die unterschiedlichen Beziehungen innerhalb des Netzwerkes genauer zu definieren: „Human relationships don’t operate on a single, always on setting.“ Erst wenn sich die Unterschiede zwischen den Beziehungen auch im Internet „nachmodellieren“ lassen, können Social-Networking-Seiten von einem blossen Zeitvertrieb zu einem wirklich nützlichen Instrument werden.

UPDATE: Auch Jeff Jarvis würde gerne zwischen „Freunden“ und Freunden unterscheiden können.

Kategorien: facebook · social networks · web 2.0

Geschichte(n) ohne Ende

August 19, 2007 · Kommentar schreiben

Früher, schreibt Scott Karp von Publishing 2.0, war Journalismus eine statische Angelegenheit: Man schrieb einen Artikel, der wurde gedruckt, und fertig. Damit ist nun Schluss:

The Web is not a static medium, and therefore journalism on the Web is not static — it is a dynamic process that never ends.

Journalisten, fordert Karp, müssen aufhören, das Netz als Bedrohung zu sehen und beginnen, seine Fähigkeiten zu ihren Gunsten zu Nutzen. Kurzum: Sie müssen Teil des Netzwerkes werden. Damit hat Karp natürlich vollkommen recht – und praktischerweise hat er vor einigen Tagen auch gerade eine Plattform angekündigt, wo Journalisten sich mit ihresgleichen vernetzen sollen können. Schlau.

Kategorien: journalismus · medien · web 2.0