Hundertfünfzig Worte

Ratte vs. Supercomputer

Dezember 6, 2007 · Kommentar schreiben

Was kann eine Ratte mit einem Zehntausendstel ihres Gehirns wohl anfangen? Nicht so viel, könnte man meinen. Aber um diesen Teil des Rattenhirns (genauer gesagt, eine Neuronensäule mit 10′000 Neuronen) zu simulieren, braucht es immerhin: Einen Supercomputer von IBM, eine Handvoll Spitzenforscher der ETH Lausanne, viel Zeit und wohl auch viel Geld (und ein paar vereinfachende Annahmen). Und auch damit ist immer noch nicht klar, wie wertvoll die Vorhersagen dieses Modells sein werden – und ob auch der Supercomputer ein sinkendes Schiff verlassen würde.

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Schamlose Eigenwerbung (V)

Dezember 6, 2007 · Kommentar schreiben

Heute ist im Online Journalism Blog mein Artikel über Online-Journalismus in der Schweiz erschienen. Der Artikel versucht, eine Übersicht zu geben, Kenner der Szene werden darin wohl nicht allzu viel neues lesen:

„[...] Switzerland’s online media landscape suffers from a lack of innovation. This is partially due to the limited resources that traditional media can devote to online projects, but also due to the mindset of many Swiss publishers which continue to see the internet as a threat (or, even worse, as a temporary hype). [...]„

Hier geht’s zum vollständigen Artikel. Über Kommentare und Inputs – sei es hier oder dort – freue ich mich natürlich!

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Eingedampfte Perlen

Dezember 5, 2007 · Kommentar schreiben

Im Internet interessante (und relevante) Informationen zu finden, ist etwa so, wie Perlen in einem Misthaufen zu suchen. Um die Informationsflut zu bewältigen, gibt es aber bereits unzählige Hilfsmittel. Die Bloggerszene, oder zumindest ein Teil davon, verlässt sich auf komplett benutzergetriebene Lösungen wie etwa Digg oder Techmeme, wo einzelne Beiträge nach oben „gevotet“ werden können. Einen etwas anderen Ansatz wählt das Startup mit dem doofen Namen Brijit (vielleicht heisst das ja auch was auf hawaiisch): Brijit lässt seine Benutzer Magazin-Artikel, etwa aus dem WSJ oder dem Economist, auf 100 Worte eindampfen (und bezahlt sie auch dafür). Die Texte werden dann von Redakteuren auf ihre „Interestingness“ hin beurteilt. Gleichzeitig zeigt Brijit aber auch an, welche Texte am meisten angeklickt werden. So entdeckt man tatsächlich immer wieder Artikel-Perlen, die sonst in der alltäglichen News-Flut untergegangen wären.

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Wie der Mensch ein Mensch wurde

Dezember 5, 2007 · 1 Kommentar

Kürzlich habe ich über eine Studie berichtet, welche das Ultimatum-Spiel mit Schimpansen durchgeführt hat, und zum Schluss kam, dass Altruismus ein spezifisch menschliches Verhalten ist. Doch wie sich nun herausstellt, taugt auch dieses Verhalten nicht, um uns eindeutig von den Affen abzugrenzen: Wissenschafter der Universität Zürich haben altruistisches Verhalten bei südamerikanischen Weissbüschelaffen nachweisen können. Dass sich genau diese Affenart „prosozial“ verhält, führen die Forscher darauf zurück, dass sich bei den Weissbüschelaffen – wie bei den Menschen – nicht nur die Mutter, sondern eine ganze Gruppe um das Aufziehen des Nachwuchses kümmert. Die Entstehung dieses „cooperative breeding“, so die Forscher, könnte der entscheidende Punkt in der Evolution gewesen sein, „der die Menschwerdung in Gang gebracht hat“.

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Gemein, aber gut

November 30, 2007 · 1 Kommentar

Nächstes Jahr soll in der Schweiz ein Gesetz zur Eindämmung der Schwarzarbeit in Kraft treten. Die Branchenverbände derjenigen Branchen, wo Schwarzarbeit verbreitet ist, haben an den vorgesehenen heftigen Bussen für Arbeitgeber, die schwarz arbeiten lassen, natürlich gar keine Freude. Allerdings ist es etwas schwierig, so zu argumentieren, ohne einzugestehen, dass Schwarzarbeit in der jeweiligen Branche wirklich ein Problem ist. Genau das versuchen drei Verbandsvertreter aber – und laufen damit direkt ins Messer von Radio DRS-Redaktor Urs Bruderer, der in seinem wunderbaren kurzen Beitrag die Absurdität ihrer Aussagen praktisch ausschliesslich mit Originalzitaten vorführt. Das ist fast schon etwas gemein, aber gleichzeitig halt einfach auch sehr guter Journalismus.

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Nummer eins bis fünf im November

November 30, 2007 · Kommentar schreiben

Tja, der November war ein eher ruhiger Monat auf diesem Blog – zuerst Ferien, jetzt Lernstress. Entsprechend stammt nur einer der fünf meistgelesenen Artikel im November auch tatsächlich aus diesem Monat, der Rest ist schon ein bisschen älter:

1. Gedruckt oder geschrieben. FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher versteht das Internet nicht.

2. Die letzte Vorlesung. Professor Randy Pausch, tödlich krank, erklärt, wie man seine Kindheitsträume erreichen kann.

3. Macht Alexander Segert zum Werber des Jahres. Denn er war es, der die Schwarze-Schaf-Kampagne der SVP ausgeheckt hat.

4. Keine Demokratisierung durch die Demokratisierung. Sarah Genner untersucht in ihrer Lizarbeit den Einfluss von Blogs auf die Schweizer Demokratie.

5. Chrigu kommt in die Kinos. Chrigu ist immer noch in den Kinos und räumt dazu einen Preis nach dem anderen ab.

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Warum ich den Economist liebe (VI)

November 28, 2007 · 1 Kommentar

Jeweils im November publiziert der Economist ein Sonderheft mit einem Ausblick auf das kommende Jahr. Soeben ist The World in 2008 erschienen, mit vielen berühmten Gastautoren und einer Menge an Voraussagen, was das nächste Jahr mit sich bringen wird. Ebenfalls abgedruckt ist ein Artikel, der sich die Voraussagen aus The World in 2007 nochmals genauer anschaut – und auflistet, wo die Redaktion richtig und wo sie falsch lag. Nun ist das rückblickend natürlich keine journalistische Meisterleistung. Dass eine Redaktion aber die Chuzpe hat, in einem Heft mit Voraussagen für das nächste Jahr explizit auf ihre Fehler vom letzten Jahr hinzuweisen, finde ich schon bemerkenswert. Und es führt dazu, dass ich den Analysen des Economist noch mehr vertraue – ob die konkreten Voraussagen nun eintreffen oder nicht.

UPDATE: In seinem Kürzest-Forecast zur Schweiz [pdf] meint der Economist, hierzulande entstehe eine „Blogocracy“. Naja. Warten wir, ob sie das in einem Jahr zu den wahren oder falschen Voraussagen zählen. (Danke an Matthias für den Hinweis)

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Wer reich werden will, muss die Kontrolle abgeben

November 27, 2007 · Kommentar schreiben

Andreas Göldi verweist auf eine interessante Studie [pdf] der Harvard Business School, die sich mit dem „Rich vs. King“-Dilemma beschäftigt: Jungunternehmer gründen eine Firma, um a) reich zu werden, und b) die Kontrolle über ihr Unternehmen zu haben. Doch diese beiden Motive können sich widersprechen. Wie die Studie aufzeigt, werden Unternehmen um so wertvoller, je mehr Kontrolle die Gründer abzugeben bereit sind. Denn um schnell erfolgreich zu sein, müssen die Unternehmen sowohl gute Mitarbeiter wie auch Fremdkapital anziehen. Sowohl Kapitalgeber als auch qualifizierte Mitarbeiter wollen aber das Schicksal der Firma ein Stück weit mitbestimmen können. Für Jungunternehmer ist es also ein Abwägen: Entweder König bleiben – oder Platz machen und schneller reich werden.

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Danke, liebe FDP-Wähler!

November 25, 2007 · Kommentar schreiben

Überraschend deutlich – gerade wenn an das Hickhack mit der SP zurückdenkt – ist heute die Grünliberale Verena Diener im Kanton Zürich in den Ständerat gewählt worden. Sie distanzierte SVP-Präsident Ueli Maurer um fast 30′000 Stimmen. Dieses Ergebnis lässt zumindest vermuten, dass Diener eine erhebliche Anzahl Stimmen rechts von der Mitte erhalten hat – also von Wählerinnen und Wählern der FDP. Das ist bemerkenswert, weil die FDP-Spitze offiziell Maurers Kandidatur unterstützt hat. Mit ihrem Wahlverhalten hat die FDP-Basis nun aber nicht nur bewiesen, dass sie – um einen Leserkommentar auf NZZ Online zu zitieren – „ein gutes Stück liberaler und freisinniger“ als die Parteispitze ist, sondern sie hat auch dem Schmusekurs der FDP gegenüber der SVP eine deutliche Abfuhr erteilt. Damit steigt die Hoffnung, dass die Freisinnigen sich endlich von der SVP abwenden und sich vernünftigere politische Partner suchen.

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Keine Demokratisierung durch die Demokratisierung

November 24, 2007 · 1 Kommentar

Hat das Aufkommen von Blogs, die ja eine Demokratisierung des Zugangs zu Publikationsmöglichkeiten darstellen, einen positiven oder einen negativen Einfluss auf die partizipative Demokratie? Diese Frage stellt Sarah Genner in ihrer (soeben eingereichten) Lizentiatsarbeit. Etwas genauer gesagt: Sie untersucht den Einfluss, den Blogs auf die Berichterstattung klassischer Schweizer Printmedien haben, indem sie die Erwähnung von Blogs in ebendiesen Printmedien über einen Zeitraum von gut sechs Jahren betrachtet. Und kommt zum Ergebnis, dass Blogs zwar immer häufiger zitiert werden (nicht nur, aber auch in politischen Zusammenhängen), dass es sich aber hauptsächlich um Blogs von Personen oder Institutionen handelt, die schon vorher einen hohen Bekanntheitsgrad aufwiesen. Von einer Demokratisierung der Meinungsbildung und einer Verbreiterung des politischen Diskures kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Öffentlichkeit, schreibt Genner, nimmt nicht zu, sondern wird in Blogs allenfalls „durch Nischendiskurse verlängert“.

UPDATE: Etwas ausführlichere Gedanken in meinem Kommentar auf Sarahs Blog.

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