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Evolutionäre Entschuldigungen

Ich gebe zu, von allen Thesen, wie der Mensch zum Mensch wurde, mag ich diese hier bislang am liebsten. Der Biologe Richard Wrangham behauptet nämlich, es sei das Kochen gewesen, welches aus dem Affen einen Homo sapiens gemacht habe. Nicht nur habe das Kochen mehr Energiezufuhr in kürzerer Zeit erlaubt, sondern das gemeinsame Essen habe auch das Sozialgefüge geprägt, meint Wrangham. Zwar sind des Biologen Thesen umstritten, aber deshalb wohl kaum weniger tröstlich für alle diejenigen, die sich soeben durch die Festtage gefressen haben und nun von Diätvorsätzen gequält werden. Denn die grossen Gelage sind offensichtlich nicht nur köstlich, sondern fundamental identitätsstiftend – und der Verzehr von Rohkost zwecks Abmagerung ist nicht nur grausam, sondern würde geradezu einen evolutionären Rückschritt in Richtung Schimpansen bedeuten.

Wie der Mensch ein Mensch wurde

Kürzlich habe ich über eine Studie berichtet, welche das Ultimatum-Spiel mit Schimpansen durchgeführt hat, und zum Schluss kam, dass Altruismus ein spezifisch menschliches Verhalten ist. Doch wie sich nun herausstellt, taugt auch dieses Verhalten nicht, um uns eindeutig von den Affen abzugrenzen: Wissenschafter der Universität Zürich haben altruistisches Verhalten bei südamerikanischen Weissbüschelaffen nachweisen können. Dass sich genau diese Affenart „prosozial“ verhält, führen die Forscher darauf zurück, dass sich bei den Weissbüschelaffen – wie bei den Menschen – nicht nur die Mutter, sondern eine ganze Gruppe um das Aufziehen des Nachwuchses kümmert. Die Entstehung dieses „cooperative breeding“, so die Forscher, könnte der entscheidende Punkt in der Evolution gewesen sein, „der die Menschwerdung in Gang gebracht hat“.

Affen sind die besseren Ökonomen

Klassische ökonomische Modelle gehen oft davon aus, dass der Mensch ein Homo oeconomicus ist – ein rationaler Nutzenmaximierer. Das berühmte Ultimatum-Spiel (siehe auch hier) widerlegt diese Annahme eindrücklich: Menschen verhalten sich im ökonomischen Sinn irrational, weil sie Fairness höher gewichten. Doch wie sieht es mit unseren nächsten Verwandten aus? Ein Forscherteam hat das Ultimatum-Spiel mit Schimpansen durchgeführt. Das Ergebnis, berichten sie in Science (Volltext kostenpflichtig, hier ist das Abstract), ist eindeutig: Die Schimpansen haben keinerlei Sinn für Fairness und handeln genau so, wie die ökonomische Theorie voraussagt: streng nutzenmaximierend. Dieser Unterschied zwischen Mensch und Affe, schreibt der Economist, könnte der Grund für den evolutionären Erfolg der Menschen sein. Denn erst ein Sinn für Fairness erlaubt die Formung von grösseren sozialen Gruppen, ohne dass Trittbrettfahrer die Situation ausnützen.

Foto: basykes