Archiv der Kategorie: blogs

Mache Fehler und sprich darüber

Zeitungen machen Fehler. Das ist unvermeidlich, und, wenn sich die Fehler in Grenzen halten, auch nicht weiter schlimm. Allerdings haben gewisse Zeitungsredaktionen ein, ähm, verkrampftes Verhältnis zu Korrigenda – und lassen sie deshalb entweder ganz weg oder entschuldigen sich nur sehr gewunden. Das ist das Glück von Craig Silverman, der auf seinem Blog „Regret the Error“ Fehler und Korrekturmeldungen von Zeitungen beobachtet – und damit so erfolgreich ist, dass er nun ein Buch darüber schreiben konnte. (Als Einstieg: Soeben hat Craig seinen sehr unterhaltsamen Jahresrückblick publiziert.) Denn im Internet-Zeitalter gilt: Wenn die Zeitung den Fehler nicht selber korrigiert, dann tut’s jemand anders. Das sollten sich die Redaktionen zu Herzen nehmen und ihre Fehler aktiv kommunizieren (zum Beispiel so). Doch aus irgendeinem Grund bestehen viele Journalisten auch dann noch auf ihren Informationen, wenn sie erwiesenermassen falsch sind. Und was passiert dann? Richtig: Ein Blogger korrigiert den Fehler. Und das Image der Zeitung leidet. Schade.

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Auf Waljagd

Jonathan Harris, den man wohl am besten als Internet-Künstler bezeichnet, hat ein neues Projekt auf dem Netz: Es heisst „The Whale Hunt“ und ist eine Fotoreportage über eine traditionelle Waljagd mit den Inuit in Alaska. Harris hat seine siebentägige Expedition mit Fotos dokumentiert, die in einem bestimmten Rhythmus, korrespondierend mit Harris‘ Herzschlag, aufgenommen wurden. Je aufgeregter der Fotograf, desto schneller die Bildfolge. – Harris hat in den letzten Jahren immer wieder mit wunderbaren Internet-Projekten aufmerksam gemacht, in denen er die Möglichkeiten des „online storytelling“ auslotet. Eines der besten ist „We feel fine„, das pausenlos die Blogs der Welt durchsucht, um herauszufinden, wie die Menschheit sich gerade fühlt. An der letzten TED-Konferenz hat Harris über seine Arbeit gesprochen – hier ist das Video.

Keine Demokratisierung durch die Demokratisierung

Hat das Aufkommen von Blogs, die ja eine Demokratisierung des Zugangs zu Publikationsmöglichkeiten darstellen, einen positiven oder einen negativen Einfluss auf die partizipative Demokratie? Diese Frage stellt Sarah Genner in ihrer (soeben eingereichten) Lizentiatsarbeit. Etwas genauer gesagt: Sie untersucht den Einfluss, den Blogs auf die Berichterstattung klassischer Schweizer Printmedien haben, indem sie die Erwähnung von Blogs in ebendiesen Printmedien über einen Zeitraum von gut sechs Jahren betrachtet. Und kommt zum Ergebnis, dass Blogs zwar immer häufiger zitiert werden (nicht nur, aber auch in politischen Zusammenhängen), dass es sich aber hauptsächlich um Blogs von Personen oder Institutionen handelt, die schon vorher einen hohen Bekanntheitsgrad aufwiesen. Von einer Demokratisierung der Meinungsbildung und einer Verbreiterung des politischen Diskures kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Öffentlichkeit, schreibt Genner, nimmt nicht zu, sondern wird in Blogs allenfalls „durch Nischendiskurse verlängert“.

UPDATE: Etwas ausführlichere Gedanken in meinem Kommentar auf Sarahs Blog.

Schmutziges Wasser finden und effizient Blogs lesen

Viele Wasserleitungen werden heutzutage mit Sensoren ständig auf Verschmutzung überwacht. Bei komplexen Netzwerken von Leitungen, etwa in einer Grossstadt, stellt sich die Frage, an welchen Orten die Sensoren platziert werden sollen, so dass eine Verunreinigung möglichst schnell entdeckt werden kann, die Anzahl der (teuren) Sensoren aber möglichst klein bleibt. Unter der Annahme von abnehmenden Grenzerträgen (je mehr Sensoren schon platziert sind, desto kleiner ist der Nutzen eines zusätzlichen) haben Forscher der Carnegie-Mellon-Universität einen Algorithmus zur Lösung dieses Problems entwickelt. Der Clou der Sache: Der Algorithmus lässt sich auch zur Analyse der Blogosphäre benutzen. Denn Informationen im Netz „bewegen“ sich wie eine Verunreinigung im Wasser – und die Frage, die sich dann stellt, ist: Welche Blogs sollte man lesen, wenn man ein beschränktes Zeitbudget hat, um möglichst viele Informationen möglichst früh mitzubekommen? Überraschenderweise ist es nicht effizient, die grossen, bekannten Blogs zu lesen, weil das zu viel Zeit benötigt. Hier ist die Liste der 100 Blogs, die man aufgrund der Analyse lesen sollte.

[via Nick Carr]

Foto: ImageAfter

Natürlich viel zu spät: Meine Eindrücke vom Blogcamp

Während ernsthafte Blogger das 2. Schweizer Blogcamp vom letzten Samstag gerade livegebloggt hatten, komme ich mit meinem Bericht erst jetzt und damit natürlich viel zu spät. Ich fasse mich dafür kurz: Interessante Präsentationen gehört – zum Mitarbeiter-Blogging bei der Cablecom, den ersten Erfahrungen mit FACTS 2.0, über „Readability Optimization“ und den Einfluss von Blogs auf die politische Berichterstattung in der Schweiz. Und spannende Gespräche mit Chris „the black sheep“ Gopsill, Chris Lüscher, Sarah Genner, Ronnie Grob, Claudio Notz, Mario Ramseier, Fabienne Steiner und vielen weiteren.

Ach, und: Unmittelbar nach dem Blogcamp krank geworden und seither bettlägrig…

Alternative Finanzierungsquellen für Journalismus. Wirklich alternative.

Alle Information wandert aufs Netz, und dort ist es fast unmöglich, Geld dafür zu verlangen. Wie sollen die qualitativ hochstehenden Inhalte also finanziert werden? Mit Werbung? Bringt meistens zu wenig. Wired schreibt über eine wirklich alternative Idee, wie man Online-Journalismus finanzieren kann:
Der Blog Sharesleuth.com nimmt regelmässig kleinere Unternehmen unter die Lupe, deren Aktienpreis überbewertet scheint. Die investigativen Berichte führen dann oft dazu, dass der Aktienkurs rapide sinkt. Die Berichte, an denen Redaktor Chris Carey oft monatelang arbeitet, sind frei verfügbar, und auf der Seite befindet sich keinerlei Werbung. Finanziert wird der Blog von Mark Cuban, der jeweils bevor Carey seine Informationen publiziert auf den sinkenden Aktienkurs des betroffenen Unternehmens spekuliert. Je besser die Berichte, desto grösser vermutlich der Einbruch des Kurses – und desto grösser der Gewinn. Und ich frage mich, ob das nun schlichtweg genial oder ethisch sehr fragwürdig ist. Oder beides.

BlogCamp am nächsten Samstag

BlogCampSwitzerland

Am nächsten Samstag findet in Zürich das zweite BlogCamp Switzerland statt. Alle Informationen sind hier zu finden. See you there!