Archiv der Kategorie: journalismus

Mache Fehler und sprich darüber

Zeitungen machen Fehler. Das ist unvermeidlich, und, wenn sich die Fehler in Grenzen halten, auch nicht weiter schlimm. Allerdings haben gewisse Zeitungsredaktionen ein, ähm, verkrampftes Verhältnis zu Korrigenda – und lassen sie deshalb entweder ganz weg oder entschuldigen sich nur sehr gewunden. Das ist das Glück von Craig Silverman, der auf seinem Blog „Regret the Error“ Fehler und Korrekturmeldungen von Zeitungen beobachtet – und damit so erfolgreich ist, dass er nun ein Buch darüber schreiben konnte. (Als Einstieg: Soeben hat Craig seinen sehr unterhaltsamen Jahresrückblick publiziert.) Denn im Internet-Zeitalter gilt: Wenn die Zeitung den Fehler nicht selber korrigiert, dann tut’s jemand anders. Das sollten sich die Redaktionen zu Herzen nehmen und ihre Fehler aktiv kommunizieren (zum Beispiel so). Doch aus irgendeinem Grund bestehen viele Journalisten auch dann noch auf ihren Informationen, wenn sie erwiesenermassen falsch sind. Und was passiert dann? Richtig: Ein Blogger korrigiert den Fehler. Und das Image der Zeitung leidet. Schade.

Advertisements

Schamlose Eigenwerbung (V)

Heute ist im Online Journalism Blog mein Artikel über Online-Journalismus in der Schweiz erschienen. Der Artikel versucht, eine Übersicht zu geben, Kenner der Szene werden darin wohl nicht allzu viel neues lesen:

„[…] Switzerland’s online media landscape suffers from a lack of innovation. This is partially due to the limited resources that traditional media can devote to online projects, but also due to the mindset of many Swiss publishers which continue to see the internet as a threat (or, even worse, as a temporary hype). […]“

Hier geht’s zum vollständigen Artikel. Über Kommentare und Inputs – sei es hier oder dort – freue ich mich natürlich!

Gemein, aber gut

Nächstes Jahr soll in der Schweiz ein Gesetz zur Eindämmung der Schwarzarbeit in Kraft treten. Die Branchenverbände derjenigen Branchen, wo Schwarzarbeit verbreitet ist, haben an den vorgesehenen heftigen Bussen für Arbeitgeber, die schwarz arbeiten lassen, natürlich gar keine Freude. Allerdings ist es etwas schwierig, so zu argumentieren, ohne einzugestehen, dass Schwarzarbeit in der jeweiligen Branche wirklich ein Problem ist. Genau das versuchen drei Verbandsvertreter aber – und laufen damit direkt ins Messer von Radio DRS-Redaktor Urs Bruderer, der in seinem wunderbaren kurzen Beitrag die Absurdität ihrer Aussagen praktisch ausschliesslich mit Originalzitaten vorführt. Das ist fast schon etwas gemein, aber gleichzeitig halt einfach auch sehr guter Journalismus.

Ein kleines Experiment

Kürzlich habe ich auf eine Reihe von Artikeln von Paul Bradshaw im Online Journalism Blog verwiesen. In einem davon schlug Paul unter anderem vor, dass ein Journalist die Quellen, die er für einen Artikel benutzt hat, online zugänglich macht – zum Beispiel, in dem er die entsprechenden Bookmarks veröffentlicht. Die Idee gefällt mir sehr gut, und ich habe deshalb beschlossen, sie auszuprobieren. Ich arbeite im Moment an drei verschiedenen Artikeln (siehe unten) und werde Online-Quellen, die ich dafür verwende, auf meinen Delicious-Account mit jeweils einem speziellen Tag versehen. Die Artikel werden alle in den nächsten zwei Monaten entstehen – über diese Zeitspanne werde ich laufend neue Bookmarks hinzufügen. Für zusätzliche Hinweise und Inputs bin natürlich sehr dankbar, ebenso wie für Feedback zu diesem kleinen Experiment.

1. Artikel: Reportage über das HEI für NZZcampus. Hier sind die Bookmarks.
2. Artikel: „Meine Studienstadt Genf“ für NZZcampus. Hier sind die Bookmarks.
3. Artikel: Twitter als journalistisches Werkzeug für die NZZ. Hier sind die Bookmarks.

Der Newsroom der Zukunft

Paul Bradshaw hat auf seinem Online Journalism Blog eine exzellente Artikelreihe verfasst, in der er den „Newsroom des 21. Jahrhunderts“ entwirft. Der Dreiteiler beschreibt, wie sich journalistische Produktionsabläufe mit neuen Web-Technologien verändern sollen. Wie sich eine Geschichte entwickeln kann, vom ersten Twitter-Alert bis zum Instant-Portal. Mit welchen Mitteln ein Journalist unzählige Quellen beobachten und auswerten kann. Und was passieren muss, nachdem eine Geschichte publiziert worden ist. Bradshaws Modell ist weitgehend noch Zukunftsmusik – frustierenderweise, denn die entsprechenden Technologien sind schon lange da, man müsste sie nur benutzen. Schweizer Medien, falls ihr zwischen der Lancierung neuer Gratiszeitungen mal einen Moment Zeit habt, dann solltet ihr das unbedingt les… ach, was soll’s.

Gedruckt oder geschrieben?

Kürzlich hat der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, eine Dankesrede gehalten, die manch einer als Generalangriff gegen das Internet interpretiert hat. Tatsächlich macht Schirrmacher das Netz zuerst einmal generell für die Verblödung der Jugend (er formuliert das natürlich etwas eleganter) verantwortlich. Um dann die Rettung zu propagieren: Den „Qualitätsjournalismus“, bevorzugterweise in Form der Tageszeitung. Damit verteidige er „das gedruckte, nicht das geschriebene Wort“, kritisierte Christian Stöcker auf Spiegel Online. Ganz so einfach scheint mir das jedoch nicht – Schirrmacher anerkennt das Internet nämlich durchaus als Medium: „Es gibt keine schönere Herausforderung für uns als diese: Nicht nur das Internet zu erobern, sondern auch gegenzuhalten und Optionen anzubieten.“ Das Problem ist vielmehr, das Schirrmacher glaubt, das Erfolgsgeheimnis liege darin, die „Qualität, also: die Inhalte unverändert [zu] lassen“. Damit tappt er in die Falle, die das Netz den klassischen Medien stellt. Die Qualität unverändert zu lassen (oder vielleicht, wer weiss, sogar zu erhöhen?), ist eine Sache. Doch nur die Medien, welche ihre Inhalte auch tatsächlich den Möglichkeiten des Netzes anpassen (und nicht einfach nur aus dem Print herüberkopieren), werden in Zukunft noch etwas zu sagen haben.

Danke an Matthias für die Hinweise.

PS. Ja, ich weiss, das sind 184 Worte. Aber es ging irgendwie nicht kürzer.

Alternative Finanzierungsquellen für Journalismus. Wirklich alternative.

Alle Information wandert aufs Netz, und dort ist es fast unmöglich, Geld dafür zu verlangen. Wie sollen die qualitativ hochstehenden Inhalte also finanziert werden? Mit Werbung? Bringt meistens zu wenig. Wired schreibt über eine wirklich alternative Idee, wie man Online-Journalismus finanzieren kann:
Der Blog Sharesleuth.com nimmt regelmässig kleinere Unternehmen unter die Lupe, deren Aktienpreis überbewertet scheint. Die investigativen Berichte führen dann oft dazu, dass der Aktienkurs rapide sinkt. Die Berichte, an denen Redaktor Chris Carey oft monatelang arbeitet, sind frei verfügbar, und auf der Seite befindet sich keinerlei Werbung. Finanziert wird der Blog von Mark Cuban, der jeweils bevor Carey seine Informationen publiziert auf den sinkenden Aktienkurs des betroffenen Unternehmens spekuliert. Je besser die Berichte, desto grösser vermutlich der Einbruch des Kurses – und desto grösser der Gewinn. Und ich frage mich, ob das nun schlichtweg genial oder ethisch sehr fragwürdig ist. Oder beides.