Archiv der Kategorie: zeitungen

Mache Fehler und sprich darüber

Zeitungen machen Fehler. Das ist unvermeidlich, und, wenn sich die Fehler in Grenzen halten, auch nicht weiter schlimm. Allerdings haben gewisse Zeitungsredaktionen ein, ähm, verkrampftes Verhältnis zu Korrigenda – und lassen sie deshalb entweder ganz weg oder entschuldigen sich nur sehr gewunden. Das ist das Glück von Craig Silverman, der auf seinem Blog „Regret the Error“ Fehler und Korrekturmeldungen von Zeitungen beobachtet – und damit so erfolgreich ist, dass er nun ein Buch darüber schreiben konnte. (Als Einstieg: Soeben hat Craig seinen sehr unterhaltsamen Jahresrückblick publiziert.) Denn im Internet-Zeitalter gilt: Wenn die Zeitung den Fehler nicht selber korrigiert, dann tut’s jemand anders. Das sollten sich die Redaktionen zu Herzen nehmen und ihre Fehler aktiv kommunizieren (zum Beispiel so). Doch aus irgendeinem Grund bestehen viele Journalisten auch dann noch auf ihren Informationen, wenn sie erwiesenermassen falsch sind. Und was passiert dann? Richtig: Ein Blogger korrigiert den Fehler. Und das Image der Zeitung leidet. Schade.

Gezwitschere von der Falken- und der Werdstrasse

Ich experimentiere seit einiger Zeit mit Twitter herum und sende fleissig Kürzest-Updates ins weite Netz. Das tun seit kurzem auch die Webseiten der NZZ und des Tages-Anzeigers – und das beste ist, sie wissen es nicht mal! Denn die Twitter-Profile für die beiden Zeitungen habe ich höchstpersönlich kreiert, mit Hilfe eines wunderbaren Tools namens Twitterfeed. Wer will, kann damit die Schlagzeilen dieser beiden Webseiten über Twitter verfolgen. Hier ist der Link für den NZZ-Twitter, und hier ist der Tagi-Twitter (beim Feed der NZZ gibt’s noch etwas Probleme – er wird nur alle paar Stunden aktualisiert). Ich hoffe jetzt einfach mal schwer, dass mich der Verband Schweizer Presse nicht wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Denn, wer weiss, vielleicht lesen ja plötzlich alle nur noch die 140-Zeichen-Nachrichten auf Twitter und besuchen gar nicht mehr die schönen Zeitungs-Websites?

Druck mir das Internet, Google

Der verdammte Print ist einfach nicht totzukriegen. Zeitungen, Magazine und Bücher haben schon die Ankunft von Radio und Fernsehen überlebt, und auch das Internet wird ihnen kaum den Garaus machen – ganz egal, wie viele Experten das regelmässig prophezeien. Und nun macht vielleicht auch Google, sozusagen die Verkörperung der digitalen Information, einen Schritt in Richtung des gedruckten Wortes, allerdings mit einem interessanten Zusatz. Die Firma hat, berichtet TechCrunch, Anfang des Monats ein Patent erhalten, mit dem sie in Zukunft Benutzern selbst zusammengestellte Magazine (natürlich mit personalisierter Werbung) anbieten könnte. Ein Benutzer würde also Informationen auf dem Netz sammeln und diese dann in gedruckter Form erhalten. Vorläufig ist das mal nur ein Patent, nicht mehr – aber die Idee, so scheint mir, hätte ein enorm grosses Potenzial.

[via incutank]

Sehr nette Worte für sehr dumme Taten

Neulich wollten sich die Schweizer Verleger ja mit Google anlegen. Der Internet-Riese selbst hat sich damals mit Kommentaren zu dieser hirnrissigen Idee sehr zurückgehalten, sogar dann, als Verlegervereins-Präsident Hanspeter Lebrument sich zur Behauptung verstieg, Google habe Angst vor den Schweizer Verlegern. Und auch in einem letzte Woche publizierten Interview mit persoenlich.com benutzen der Schweizer Google-Chef Andreas Schönenberger und sein PR-Mann Matthias Graf sehr sanfte Worte. Etwa: „Wir versuchen derzeit, den Verlegern aufzuzeigen, welche technischen Möglichkeiten unsere Plattform bietet.“ (Um Himmels Willen, haben die das immer noch nicht begriffen?) Oder: „Durch ihr öffentliches Nachdenken über die Lancierung einer News-Plattform nach unserem Vorbild haben die Verleger bereits kundgetan, dass auch für sie die Entwicklung in dieselbe Richtung geht.“ (Und dass sie lieber schlechte Kopien denn innovative Produkte lancieren – wie bei den Gratiszeitungen.) Merke: Wer aus einer Position der absoluten Stärke heraus argumentiert, kann es sich leisten, auch sehr dumme Taten mit sehr netten Worten zu kommentieren.

Eine simple Lösung für ein ärgerliches Problem

Ich habe hier in Genf unter anderem eine Deutschschweizer Sonntagszeitung abonniert (ratet mal, welche). Das kleine Problem dabei: Natürlich hat diese Zeitung hier keinen Verträgerservice – weshalb ich das Blatt jeweils, schön in Plastik eingeschweisst, am Montagnachmittag mit der Post erhalte. Das finde ich ärgerlich – umso mehr, als dass es in der Westschweiz eine Sonntagszeitung gibt (Le Matin Dimanche), deren Verträgerservice man ja vielleicht mitbenutzen könnte? Nun, dummerweise hat Le Matin Dimanche ebenfalls keinen Verträgerservice am Sonntag. Abonnenten der Sonntagsausgabe erhalten einfach eine Anzahl Jetons, die sie dann am Kiosk gegen ein Zeitungsexemplar eintauschen können. Hmmm…schlaue Idee, nicht? Was spricht dagegen, dass auch die Deutschschweizer Sonntagszeitungen solche Jetons einführen – zumindest für Abonnenten ausserhalb des Zustellbereichs? Nicht ganz so komfortabel wie Heimzustellung, aber immer noch viel besser als eine Sonntagszeitung am Montag. Und die Einführung dieses Systems würde wohl kaum etwas kosten, aber ein paar (zahlende) Abonnenten wie mich sehr glücklich machen.

Braucht die NZZ eine Gratiszeitung?

Ich weiss, ich bin etwas spät mit dieser Sache – eigentlich wollte ich ja gar nichts darüber schreiben, aber jetzt tu ich’s halt trotzdem. „Finanz und Wirtschaft“ zitiert in ihrer aktuellen Ausgabe NZZ-Gruppenleiter Alfred Hümmerich mit der Aussage, die NZZ könne sich vorstellen, eine Gratiszeitung zu lancieren oder zu kaufen. Im letzteren Fall wäre wohl „.ch“ das Ziel – die anderen Gratisblättli stehen ja kaum zum Verkauf.

Die Reaktionen auf diese Möglichkeit reichen von ungläubig bis entsetzt. Martin Hitz findet die Idee „zum Schreien“, und auf Medienlese kommentiert ein Hugo B.: „Zum Glück bin ich da raus.“
Dass die NZZ mit einer Neulancierung zu spät auf einen bereits völlig übersättigten Markt dringen soll, macht tatsächlich keinen Sinn. Und „.ch“ zu kaufen, scheint mir bei der unsicheren Zukunft des Blattes angesichts der noch stärker werdenden Konkurrenz von der Tamedia auch nicht unbedingt eine gute Idee zu sein. Die NZZ täte im Gegenteil gut daran, sich zurück zu lehnen und zuzuschauen, wie sich die Gratiszeitungen und ihre Besitzer gegenseitig zerfleischen.

Gedruckt oder geschrieben?

Kürzlich hat der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, eine Dankesrede gehalten, die manch einer als Generalangriff gegen das Internet interpretiert hat. Tatsächlich macht Schirrmacher das Netz zuerst einmal generell für die Verblödung der Jugend (er formuliert das natürlich etwas eleganter) verantwortlich. Um dann die Rettung zu propagieren: Den „Qualitätsjournalismus“, bevorzugterweise in Form der Tageszeitung. Damit verteidige er „das gedruckte, nicht das geschriebene Wort“, kritisierte Christian Stöcker auf Spiegel Online. Ganz so einfach scheint mir das jedoch nicht – Schirrmacher anerkennt das Internet nämlich durchaus als Medium: „Es gibt keine schönere Herausforderung für uns als diese: Nicht nur das Internet zu erobern, sondern auch gegenzuhalten und Optionen anzubieten.“ Das Problem ist vielmehr, das Schirrmacher glaubt, das Erfolgsgeheimnis liege darin, die „Qualität, also: die Inhalte unverändert [zu] lassen“. Damit tappt er in die Falle, die das Netz den klassischen Medien stellt. Die Qualität unverändert zu lassen (oder vielleicht, wer weiss, sogar zu erhöhen?), ist eine Sache. Doch nur die Medien, welche ihre Inhalte auch tatsächlich den Möglichkeiten des Netzes anpassen (und nicht einfach nur aus dem Print herüberkopieren), werden in Zukunft noch etwas zu sagen haben.

Danke an Matthias für die Hinweise.

PS. Ja, ich weiss, das sind 184 Worte. Aber es ging irgendwie nicht kürzer.