Am Tiefpunkt?

Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof kritisiert in einem Gespräch mit der NZZ die Medienberichterstattung in den Fällen „Seebach“ und „Borrweg“ aufs heftigste. Gewohnt eloquent spricht Imhof von „postmodernem Rudeljournalismus“, „neuen Hexenjagden 200 Jahre nach der Aufklärung“ und verkündet, wir seien am „Tiefpunkt einer zivilisierten rechtsstaatlichen Problembewältigung“ angekommen. Nun tönt Alarmismus aus gelehrtem Professorenmund meistens gut; das heisst aber noch lange nicht, dass er wahr ist. In diesem Falle entbehrt er zudem nicht einer gewissen Ironie. Denn erstens ist Imhof selbst Profiteur des manchmal herrschenden journalistischen Rudeldenkens, indem er seine Meinung als „Medienexperte“ meist unwidersprochen auf sämtlichen Kanälen verbreiten darf. Und zweitens ist seine Kritik mindestens so pauschalisierend wie die Berichterstattung, über die er sich aufregt. In diesem Sinne fühle auch ich mich berufen zu verkünden: Die Schweizer Medienforschung ist an einem Tiefpunkt angelangt – und es könnte alles noch viel schlimmer werden.

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Öffnet die Kantinen! (Schamlose Eigenwerbung VI)

Seit einiger Zeit schon lese ich mit grossem Vergnügen den incuTANK Blog, wo Dave und Tianh über neue Ideen und Innovationen schreiben. Nun haben wir beschlossen, unsere Kräfte zusammen zu legen – ich werde in Zukunft (wenn auch eher unregelmässig) ebenfalls für incuTANK schreiben. Hier ist mein erster Beitrag zu „offenen Kantinen“:

„[…] There are a lot of companies in cities that have canteens only accessible for their staff. Why not open up the lunch places, invite your clients and the public to sit with you, talk with you and eat with you? […]

Hier geht’s zum vollständigen Artikel. Kommentare wie immer sowohl hier wie dort sehr willkommen.

Gezwitschere von der Falken- und der Werdstrasse

Ich experimentiere seit einiger Zeit mit Twitter herum und sende fleissig Kürzest-Updates ins weite Netz. Das tun seit kurzem auch die Webseiten der NZZ und des Tages-Anzeigers – und das beste ist, sie wissen es nicht mal! Denn die Twitter-Profile für die beiden Zeitungen habe ich höchstpersönlich kreiert, mit Hilfe eines wunderbaren Tools namens Twitterfeed. Wer will, kann damit die Schlagzeilen dieser beiden Webseiten über Twitter verfolgen. Hier ist der Link für den NZZ-Twitter, und hier ist der Tagi-Twitter (beim Feed der NZZ gibt’s noch etwas Probleme – er wird nur alle paar Stunden aktualisiert). Ich hoffe jetzt einfach mal schwer, dass mich der Verband Schweizer Presse nicht wegen Urheberrechtsverletzung verklagt. Denn, wer weiss, vielleicht lesen ja plötzlich alle nur noch die 140-Zeichen-Nachrichten auf Twitter und besuchen gar nicht mehr die schönen Zeitungs-Websites?

Ratte vs. Supercomputer

Was kann eine Ratte mit einem Zehntausendstel ihres Gehirns wohl anfangen? Nicht so viel, könnte man meinen. Aber um diesen Teil des Rattenhirns (genauer gesagt, eine Neuronensäule mit 10’000 Neuronen) zu simulieren, braucht es immerhin: Einen Supercomputer von IBM, eine Handvoll Spitzenforscher der ETH Lausanne, viel Zeit und wohl auch viel Geld (und ein paar vereinfachende Annahmen). Und auch damit ist immer noch nicht klar, wie wertvoll die Vorhersagen dieses Modells sein werden – und ob auch der Supercomputer ein sinkendes Schiff verlassen würde.

Schamlose Eigenwerbung (V)

Heute ist im Online Journalism Blog mein Artikel über Online-Journalismus in der Schweiz erschienen. Der Artikel versucht, eine Übersicht zu geben, Kenner der Szene werden darin wohl nicht allzu viel neues lesen:

„[…] Switzerland’s online media landscape suffers from a lack of innovation. This is partially due to the limited resources that traditional media can devote to online projects, but also due to the mindset of many Swiss publishers which continue to see the internet as a threat (or, even worse, as a temporary hype). […]“

Hier geht’s zum vollständigen Artikel. Über Kommentare und Inputs – sei es hier oder dort – freue ich mich natürlich!

Eingedampfte Perlen

Im Internet interessante (und relevante) Informationen zu finden, ist etwa so, wie Perlen in einem Misthaufen zu suchen. Um die Informationsflut zu bewältigen, gibt es aber bereits unzählige Hilfsmittel. Die Bloggerszene, oder zumindest ein Teil davon, verlässt sich auf komplett benutzergetriebene Lösungen wie etwa Digg oder Techmeme, wo einzelne Beiträge nach oben „gevotet“ werden können. Einen etwas anderen Ansatz wählt das Startup mit dem doofen Namen Brijit (vielleicht heisst das ja auch was auf hawaiisch): Brijit lässt seine Benutzer Magazin-Artikel, etwa aus dem WSJ oder dem Economist, auf 100 Worte eindampfen (und bezahlt sie auch dafür). Die Texte werden dann von Redakteuren auf ihre „Interestingness“ hin beurteilt. Gleichzeitig zeigt Brijit aber auch an, welche Texte am meisten angeklickt werden. So entdeckt man tatsächlich immer wieder Artikel-Perlen, die sonst in der alltäglichen News-Flut untergegangen wären.

Wie der Mensch ein Mensch wurde

Kürzlich habe ich über eine Studie berichtet, welche das Ultimatum-Spiel mit Schimpansen durchgeführt hat, und zum Schluss kam, dass Altruismus ein spezifisch menschliches Verhalten ist. Doch wie sich nun herausstellt, taugt auch dieses Verhalten nicht, um uns eindeutig von den Affen abzugrenzen: Wissenschafter der Universität Zürich haben altruistisches Verhalten bei südamerikanischen Weissbüschelaffen nachweisen können. Dass sich genau diese Affenart „prosozial“ verhält, führen die Forscher darauf zurück, dass sich bei den Weissbüschelaffen – wie bei den Menschen – nicht nur die Mutter, sondern eine ganze Gruppe um das Aufziehen des Nachwuchses kümmert. Die Entstehung dieses „cooperative breeding“, so die Forscher, könnte der entscheidende Punkt in der Evolution gewesen sein, „der die Menschwerdung in Gang gebracht hat“.